Videoschiedsrichter / Die Probleme Anderer

von Bully

Der Deutsche Fußball hat es momentan echt nicht leicht. Aktuell wird man von der korrupten FIFA zu Testspielen gegen B-Nationen wie England oder Frankreich gezwungen. Aber momentan gibt es auch Ärger in der heimischen Liga. Die Rede ist vom Videobeweis. Es gibt kaum ein Thema, über das in diesen Tagen heißer diskutiert wird als der „Assistent“ für den Schiedsrichter.

Sogar personelle Konsequenzen gab es bereits. Hellmut Krug (Videobeweischef) musste bereits gehen und schlägt sich gerade mit Korruptionsvorwürfen herum.

Das ganze Thema wurde, wie so viele, falsch angegangen. Der Videobeweis ist eine tolle Sache! Wenn man sie richtig einsetzt. Und jetzt kommt der Pucksport ins Spiel. Der Videobeweis ist seit langem Usus im Deutschen Eishockey. Er wird gerne bei strittigen oder unklaren Regeln zu Rate gezogen.

Wir waren in der Redaktion auf Stimmenfang und haben ein paar Mitarbeiter gefragt, wie sie die aktuelle Lage beim Fußball und im Eishockey sehen:

 

Frank Göbel (Chefredakteur): „Alles scheiße! Warum schaut man nicht vorher mal, wie andere Sportarten das machen?! In der NHL kann man eine „Challenge“ nach jedem Tor beanstanden. Dann wird geschaut ob, es Abseits, Torwartbehinderung, hoher Stock oder whatever war. Die Entscheidungen werden akzeptiert. Aber das sich jeder auf dem grünen Platz aufregen darf und mit seinen tätowierten Unterarmen rumfuchteln kann, ist leider historisch gewachsen. Da gibt es leider „Erziehungsruinen“ die sich die Freiheit nehmen, den Unparteiischen anzugehen. Schon mal beobachtet, dass sich Eishockeyspieler um den Schiedsrichter tummeln und aufmucken? Nein. Das zeigt doch die ganze Klasse von Eishockeyspielern. Also, meiner Meinung nach, sollte sich der DFB schleunigst mal mit dem DEB und den Ligen zusammensetzen. Da gibt es bestimmt tolle Ansätze. Spinnen wir das doch mal weiter. Lassen wir doch mal einen Lars Brüggemann eine Fußballpartie leiten. Allein seine Präsenz wäre für viele Balltreter ein heilender Kulturschock.“

 

Helmut Krebs (Admin): „Der größte Unterschied (und auch die Schwierigkeit) zwischen den beiden Sportarten besteht meiner Meinung nach beim Format der Spielzeit. Im Eishockey kann einfach unterbrochen werden, die Uhr stoppt, diese „Netto-Spielzeit“ gibt es im Fußball nicht. Trotzdem kann man dem Videobeweis, zumindest aus Sicht des Eishockeys, sehr viel Gutes abgewinnen. Es ist immer die Frage wie man den Videobeweis richtig einsetzt, d.h. wenn geklärt ist, in welchen Situation er eingesetzt wird, sodass dies für den Zuschauer auch verständlich und nachvollziehbar ist. Das funktioniert beim Eishockey meiner Meinung sehr gut. Vielleicht sollte man beim Fußball über eine Challenge-Möglichkeit nachdenken, auch das funktioniert in der NHL wunderbar!

 

Markus Zick (IT-Support): „Ich war von Anfang an ein Verfechter des Videobeweises im Fußball. Gerade weil es im Eishockey gut funktioniert und im Fußball so viele gravierende Fehlentscheidungen getroffen wurden. Jedoch hat die unausgereifte Technik und der falsche Einsatz (der Videobeweis wurde ja nach kurzer Zeit für alles herangezogen, nicht nur für „heikle“ Situationen) die Gemüter ordentlich erhitzt. Meiner Meinung nach muss man den Einsatz noch einmal genau klären. Das Problem ist natürlich die weiterlaufende Spielzeit und das Unverständnis bei vielen Fans. Aktuell kann es durchaus vorkommen, dass der eigenen Mannschaft eine Ecke zugesprochen wird und der Schiri den Befehl bekommt, für den Gegner einen Elfmeter auf der anderen Seite des Spielfelds zu Pfeifen. Das ist für die Fans im Stadion einfach nicht nachvollziehbar. Hier muss eine andere Lösung her (bspw. ein Signal auf den Videotafeln oä.). Die Spielzeit muss eben auf die Nachspielzeit angerechnet werden. Nichts desto trotz denke ich, dass der Einsatz des Videobeweises im Fußball sinnvoll ist. Er muss eben nun seine perfekte Anwendung finden. Verhältnisse im Eishockey entstehen eben nicht von heut auf morgen 😉“

 

 

Diana Jansen (Field-Reporterin): „Ich kenne mich zwar nicht so gut im Fußball aus wie meine Mitschreiber, aber was ich hier und da aufschnappe schreit förmlich nach einer Schiedsrichter-Reform. Der Videobeweis hätte schon vor Jahren mit klaren Regeln eingeführt werden sollen. Es muss sowohl für Trainer, als auch für Spieler und Schiris klar sein, dass der Videobeweis -wie im Eishockey- nur bei Unklarheiten herangezogen werden soll. Auch muss nicht nur auf dem Papier, sondern vor allem in den Köpfen klar sein, dass die endgültige Entscheidung eben genau das ist: Endgültig. Natürlich sind Schiedsrichter auch nur Menschen und können eine Situation fehlinterpretieren, aber genau für diesen Fall ist der Videobeweis vorgesehen. Man sollte diesen wie im Eishockey fordern können, aber eben nur in Maßen, nicht von jedem x-beliebigen Spieler und nicht nach jeder vermeintlichen Fehlentscheidung.“

 

 

 

Chris Warnke (Regelconsultant und Eishockeyschiedsrichter): „Als großer Fan vom Eishockey, habe ich nur wenig intresse am Fußball und doch bekommt man die Probleme mit. Meiner Ansicht nach hat der Fußball den Fehler gemacht und den Videoschiesdrichter eingeführt ohne die Regeln anzupassen. Beim Eishocky kann der Videoschiedsrichter nur den Kollegen auf dem Eis überstimmen, bei der Frage ob Tor oder nicht. Alles andere ist Sache des Kollegen auf dem Eis. Die Grenzen sind also klar gezogen. Und der Videobeweis kann nur auf Anfrage der Mannschaften oder beim Zweifel der Schiedsrichter selbst, herangezogen werden. Beim Fußball fehlt das in meinen Augen. Es muss klar definiert werden wann der Videoschiedsrichter eingesetzt wird und wann nicht. Es reicht nicht zu sagen: Nach Ermessen der Kollegen auf dem Rasen. Außerdem muss auch definiert werden wer im Zweifel einer Entscheidung die Oberhand hat, der Videokollege oder der Kollege auf dem Platz. Meiner Meinung nach der Kollege auf dem Rasen, da er vor Ort ist und man darf seine Integration vor Spielern und Fans nicht herabsetzen. Der Kollege vor dem Monitor, kann nicht die Atmosphäre und die Meinungen der Spieler hören, und obwohl das viele Schiedsrichterkollegen abstreiten, so lässt man sich davon doch ein wenig beeinflussen und man sieht auch ob die Spieler etwas vorspielen oder nicht. Somit sollte es nicht möglich sein den Schiedsrichter auf dem Rasen bei jeder Aktion zu behelligen. Der Sport lebt ein Stück weit davon. Es sollte auch überdacht werden, ob man nicht 5 Schiedsrichter beim Spiel einsetzt und der fünfte ist der Viedokollege im Stadion in einem kleinen Häuschen am Rand des Spielfeldes oder der Schiedsrichter auf dem Feld kann selber nachschauen bei Situationen. Allerdings sollte man die Zeit die dafür drauf geht auch wieder anhängen.“

 

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s