Abenteuer Hockey im Ausland / Part III

 

von Diana Jansen

 

Nach knapp vier Monaten und einigen Ups and downs endete mein „Abenteuer Hockey in Italien“ mehr als unerwartet mit einer Nachricht meiner Mitstreiterin, ob ich abends kommen würde, da es das letzte Training der Saison sei.

Fast schon geschockt und vor allem traurig, dass ich nicht teilnehmen konnte muss ich jetzt bis Anfang September ohne Hockey überleben. Was bleibt mir nun also noch anderes übrig, als ein Fazit der letzten Monate zu verfassen?

 

Nachdem ich anfangs trotz der vielen Ähnlichkeiten große Probleme hatte, mitzukommen, wurde es mit jeder Woche leichter. Natürlich bin ich immer noch Verteidiger durch und durch, aber ich verstehe den Sturm nun etwas besser. Bis auf wenige Ausnahmen wurde ich von meinen Mitspielern in den Sturm gestellt. Mit lieb gemeinten Erklärungen in Englisch und Italienisch versuchten sie auch immer wieder, mir zu erklären, wo ich zu stehen hatte. Ich verstand die Worte und auch, was ich tun sollte, doch konnte ich auf dem Feld kaum etwas damit anfangen. Es erschloss sich mir einfach nicht, und mein „Stolz“ verbot mir, einfach aufzugeben. Ich biss mich durch und passte mich den auf dem Feld präsenten Spielern an, anstatt mich an Theorien zu halten –und siehe da, es hat funktioniert! 

Da wir immer nur mit maximal 16 (und das nur ein einziges Mal) Personen trainiert haben, war es ein leichtes herauszufinden, wie die anderen spielen. So konnte ich entweder:

– einfach mitlaufen und hoffen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein oder halbwegs gute Pässe geben zu können oder

– mich in die Verteidigung zurückfallen lassen, während die anderen zum Tor liefen.

Natürlich funktionierte dieser Plan nicht immer und ab und zu stand ich auch mehr im Weg als hilfreich zu sein. Allerdings legte sich das schnell (ausgenommen Trainingseinheiten, bei denen wir 4 auf 4 ohne Wechselspieler 10-15 Minuten durchgespielt haben) und ich konnte ebenfalls ein besseres Verständnis des Positionsspiels verzeichnen. Tempomäßig konnte ich zuletzt sehr viel besser mithalten, jedoch gab es zwei oder drei Spieler, die mich immer wieder überliefen –oder in mich reinliefen. Man merkte eben, dass das Tempo der italienischen dritten Liga schon mit der ersten heimischen Liga vergleichbar war.

 

Nichtsdestotrotz wurde ich auch von (fast) allen ordentlich ins Trainings– und Spielgeschehen integriert. Regelmäßige Pässe (die ich leider nicht immer ideal aufs Tor bringen konnte), Lob und Freude als ich dann mal der einzige Glückspilz war, der den Pfosten so traf, dass es als Tor bzw. Punkt zählte, wenn kein Goalie da war. Die Bemühungen, mir die Modalitäten fürs Tor noch mal langsam und verständlich zu erklären –jede Woche gab es neue Ideen– und noch so viel mehr machten es mir einfacher, mich auch integriert zu fühlen. 

Ab und an sorgte ich natürlich für einen Lacher, wenn mal wieder eine meiner Rollen den Geist aufgegeben hatte oder ich mich über mein Unvermögen mit diesem vermaledeiten Puck aufregte. Zwei Rollen musste ich in den Frühruhestand schicken, da entweder ein rausgebrochenes Stück oder die neue eckige Form für ein komisches Gefühl beim Skaten sorgten! Und dann war da zuletzt noch die Rolle, die heimlich, still und leise gebrochen war. Ich dachte schon, ich wäre beim Rückwärtsfahren über eine Linie gestolpert, doch beim genaueren Hinsehen kam ein netter Riss zum Vorschein, der in bestimmten Positionen am Skate die Rolle zum eiern brachte.

Meine leider letzte Interaktion mit der Mannschaft war ein Abendessen des Vereins, bei dem dann auch Trainer und Vorsitz realisierten, dass sie mich an dem Abend wohl zum letzten Mal sehen würden. Auch wenn ich normalerweise (wie auch zu Hause) beim Training nicht viel gesprochen habe, merkte man schon, dass sie es auf ihre Weise schade fanden. Der Trainer lobte noch meine Passion für den Sport und dass ich mich durchgebissen hatte, und das war es dann auch schon. Das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Hockeys –egal ob Eis- Skater- oder Inlinehockey– ist etwas ganz Besonderes, und das konnte ich auch hier spüren.

 

Bereue ich meine Entscheidung, den ganzen Stress mit dem Ausrüstungstransport, Zugfahrten und zuletzt einer anderen Sportvariante auf mich zu nehmen? 

Ganz und gar nicht! Auch wenn ich –nicht zuletzt auch aufgrund des hohen Altersunterschiedes– eher keine Freundschaften fürs Leben geschlossen habe, war es eine positive Erfahrung. Etwas, an das ich mich gerne erinnere. Ich habe nicht nur etwas über Hockey in einem anderen Land, sondern auch über mich selbst gelernt. Außerdem war es so etwas einfacher, meine Mannschaft zu Hause nicht ganz so sehr zu vermissen. 

Werde ich diese Spielvariante vermissen? Ein klares nein! Natürlich ist es eigentlich der gleiche Sport, aber ich kann es schon kaum erwarten, vom Flieger in die Halle zu fahren und mit einem Ball zu trainieren!

Zuletzt bleibt mir nur noch eines zu sagen: Danke! Danke Paolo für die Hilfe bei der Organisation vor meiner Ankunft. Danke Laura für deine Hilfe während des Trainings und die Möglichkeit, ab und an dein Anhängsel zu sein. Danke Stefano, dass du mich nicht angeschrien hast, auch wenn ich die Übung nach fünf Versuchen immer noch nicht verstanden habe oder nicht sofort die richtige Position im Spiel gefunden habe. Danke Flying Donkeys Empoli, dass ich –wenn auch nur für kurze Zeit– ein Teil der Mannschaft sein durfte!

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