NHL Global Series – Ein Bericht aus Kölner Gefilden

von Diana Jansen

Am 3.10. gastierte die NHL zum Freundschaftsspiel in der Kölner Lanxess-Arena und brachte den 18.400 Fans einen Hauch NHL-Glamour aufs heimische Eis. Dabei lief allerdings nicht alles rund und das uns bestens bekannte Spiel wirkte wie aus einer anderen Welt.

Nur wenige Tage zuvor kündigten die Haie die „Fan Tour“ an. Neben einem digitalen Stanley Cup und einer Fotobox im Spielerbankdesign wurden ein mobiles Museum der Hockey Hall of Fame, eine Anlage zur Schussgeschwindigkeitsmessung und vieles mehr rund um die Arena versprochen. Vor Ort angekommen handelte es sich allerdings um 4 kleine Zelte auf der Südseite.
Für uns die sowieso für das Spiel da waren war es einfach nur eine Zeitverschwendung, für die nur deswegen angereisten vermutlich eine herbe Enttäuschung.

Gegen 14.00 Uhr gingen dann die Türen auf. Mit nur drei „Fanshops“ in unmittelbarer Nähe zueinander -und nur einer hatte wirklich alle Sonderartikel- artete dies bereits nach unter zehn Minuten in einer Einlasssperre aus. Mehrere Faktoren kamen hier zusammen:
1. Die ungünstig verteilten Fanshops am Eingang Nord inklusive fehlender Beschriftung/Information, wo man nun was kaufen konnte
2. Die Tatsache, dass die Türen in den Innenraum der Arena noch mehr als 20 Minuten nach Einlass geschlossen blieben.
3. Die schiere Masse an Menschen.
4. Mangelhafte Security-Leistung inklusive dem Einlass von Personen mit offiziell verbotenen Rucksäcken.
5. Die mangelhafte Organisation der Bereiche um die Fanshops.
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Innerhalb von Sekunden war der Bereich brechend voll und es gab kaum noch ein Durchkommen. Obwohl es nicht mehr weiter ging wurde man einfach rigoros von hinten weiter geschoben. Handtaschen wurden ohne Rücksicht auf Verluste mitgerissen, wenn man sie nicht fest umklammerte. Menschen drückten sich durch jede Lücke, um bloß an allen anderen vorbei als erstes vorne zu sein, um sich dann doch nur eine Mütze zeigen zu lassen und sie nicht zu kaufen. Dass -vom worst case ausgehend- keine Panik ausgebrochen ist oder ein Kind umgelaufen/von seinen Eltern getrennt wurde war das einzig Positive. Meine Begleitung und ich hatten uns wohlweißlich getrennt um Fanartikel zu kaufen, und nach mehr als 30 Minuten im Fanshopgetümmel fanden wir erst wieder zusammen. Irgendwann hat die Security auch mitbekommen, dass da einiges schiefläuft und eine „Einbahnstraße“ eingerichtet, an die sich aber natürlich keiner gehalten hat. Der Durchgangsverkehr wurde über den Innenraum gelotst, der Fanshop sollte nur noch von einer Seite „betreten“ und auf der anderen Seite verlassen werden. Letzteres war scheinbar für die Anwesenden zu viel, und so drängte man sich einfach weiterhin da durch, wo man eben grade langwollte.
Selbst nach der ähnlich frequentierten WM 2017 war das ein Erlebnis anderer Art. Es wäre meiner Meinung nach sehr viel sinnvoller gewesen, die Fanartikel auf weitere Stände innerhalb der Arena zu verteilen (ähnlich der Stände an normalen Spieltagen) und weiter aufzuteilen, um so die Massen einfach mehr zu entzerren. Einige, mit denen ich gesprochen habe, haben die Situation ähnlich empfunden und entweder aufgegeben, bevor sie etwas kaufen konnten, oder waren heilfroh, wieder aus der Masse raus zu sein, nachdem sie alles hatten.

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Qualitativ und auch preislich sind die Artikel in Ordnung. Sonderschal 20, Sweatshirt von guter Qualität 55 und ein T-Shirt 25 Euro. Außerdem im Sortiment waren Pucks (10 Euro), zwei verschiedene Trikots ohne Namen/Nummer (authentic 170, sonst 110 Euro), T-Shirts von Dreisaitl und McDavid (ca 30 Euro), Schlüsselbänder/Lanyards (10 Euro), Mützen (25 Euro), Minischläger und noch mal Kinder- und Damenvarianten der T-Shirts. Für jeden war eigentlich etwas dabei und man konnte über die Auswahl wirklich nciht meckern.

Nun aber zum Rest der Gaudi:
Man merkte, dass die NHL nicht nur zu Gast war, sondern fast schon das Sagen hatte. Jeder zweite Spot auf dem Videowürfel war entweder ein Werbevideo

IMG_4675_Fotorder Oilers oder der NHL. Vier mal pro Drittel gab es eine Werbeunterbrechung. Positiiv fand ich den Einsatz zweier deutscher und zweier NHL Schiedsrichter. Außerdem war es einfach zu niedlich, wie die Bambinis auf dem Eis Spalier stehen und die Spieler abklatschen durften. Das Vorgeplänkel -Puckdrop, Trikottausch, Nationalhymne und alles, was dazu gehört- war für meinen Geschmack etwas in die Länge gezogen.

Das Spiel selber war schon ein anderes Kaliber als ein DEL Spiel. Man sah, dass die Oilers gewohnt sind, dass die Schiedsrichter mehr durchgehen lassen. McDavid war irre schnell und ab und an haben sie den Haien gezeigt, wie schnell sie wieder in Führung gehen können. Natürlich haben sie nicht mit 100% Leistung gespielt, dann hätte das Ergebnis deutlich anders ausgesehen. Aber es reichte für schönes Eishockey auf beiden Seiten. Abgesehen von einer kurzen Prügelei verlief es auch recht friedlich und fair.
Mangels Erfahrung in Sachen NHL kann ich die Spielweise der Oilers nicht weiter bewerten, aber bei den Haien war durchaus ein anderes Bild im Vergleich zur Saison zu sehen. Wie so oft war das erste Drittel eher mau, auch wenn gute Chancen dabei waren und sich das Spiel halbwegs ausgewogen in allen Dritteln abspielte. Im zweiten Drittel kam dann der Biss, der so oft in der Saison fehlt. Es wird nachgegangen, der Puck weniger einfach schnell draufgeballert. Ab und an war auch tatsächlich nicht das übliche tausendfache hin- und herpassen im Stehen vor dem gegnerischen Tor zu sehen sondern überlegtere, einfachere Angriffe, die am Ende der regulären Spielzeit zu einem durchaus ansehbaren 3:3 führten. Auch in Overtime war das Spiel nicht schlecht; allerdings machten die Oilers irgendwann einfach kurzen Prozess.

 

Als Gesamtbild betrachtet ist es deutlich, dass in der Organisation abseits vom Eis noch einiges ausgebessert werden muss. Natürlich kann man hierzulande kaum bis gar nicht mit einem NHL-Team mithalten, aber verstecken muss man sich zumindest im Rahmen eines Freundschaftsspieles nicht, solange man nicht vergisst, dass die andere Mannschaft nicht mit voller Leistung spielt und das Endergebnis deshalb nicht unbedingt repräsentabel ist. Spieltechnisch sollte man an diesen Tag anknüpfen und das eigene Spiel weiter ausbauen, um die Saison nicht völlig in den Sand zu setzen.

Sollte irgendwann im Rahmen der Global Series ein NHL-Team in Deutschland gastieren, würde ich noch mal hingehen. Neben allem Negativen bleibt eben doch noch der Spaßfaktor, und der war bei diesem Spiel -aus meiner Sicht- definitiv gegeben.

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