Neuwied vs. Diez-Limburg / Oldschool Hockey!

von Frank Göbel

Es gibt Eishockeyspiele, da freut man sich, dass man sonntags aufsteht und voller Vorfreude ist. Frisch abgezogenes Eis, Wunderkerzen, tolle Stimmung mit tollen Fans, der Geruch von Pommes und kaltem frischem Bier. Ja, das sind die Grundlagen für einen tollen Eishockeyabend!
Und dann gibt es Derbies. Diese lokalen Partien beinhalten meist im Vorfeld schon jede Menge Gesprächsstoff. Das ist bei Köln gegen Düsseldorf oder München gegen Augsburg auch so. Und dann gibt es da Neuwied gegen Diez-Limburg. Schon rein sportlich ist das eine spannende Partie. Neuwied (Platz 3) empfängt mit Diez Limburg (Platz 4) ein Team, das in den letzten Tagen für Aufsehen sorgte. Nicht nur die Top Verpflichtung von Jeff Smith als Kontingentspieler ging da durch die Mediendecke. Das Husarenstück den Über-Tabellenführer Eisbären Hamm auswärts zu schlagen war wohl die Sensation. Auch wenn man in Relation halten muss, dass die Eisbären stark dezimiert waren an diesem Abend.
Aber egal, die drei Punkte nimmt man gerne mit.
Für die Bären Neuwied ist es die erste Partie seit dem 21.12.2018 (8-4 gegen Soest). Die unfreiwillige Winterpause von 2 Wochen sollten daher streng der Akkuaufladung und Zeit für die Familie genutzt werden. Anweisung von Coach Benske. Der Trainer war aber selber unterwegs und hat sich Teams wie Hamm, Herford und den heutigen Gegner angeschaut. Training ersetzt kein Spiel, das weiß auch GM Carsten Billigmann „Solche Spiele wie heute sind immer etwas Besonderes. Hier geht es mehr als um drei Punkte!“

Solche Derbies beinhalten auch immer eine gewisse Sicherheits-Brisanz. In den letzten Jahren gab es im Eishockey leider immer wieder unschöne Szenen. Dies reflektiert selbstverständlich nicht die Werte des Eishockeys wieder, wie wir es lieben gelernt haben. Beide Vereine haben hier in Statements auch noch einmal klargestellt, dass es trotz sportlicher Rivalität es keinen Grund gibt, dass es auf den Rängen nicht harmonisch zugehen soll.
Natürlich wird es heute eine Polizeipräsenz geben. So blauäugig ist man in Neuwied dann doch nicht.

So, das Eis ist abgezogen, die Spieler stehen zum Bully bereit. Zeit, den Puck einzuwerfen!

Und es ging kampfbetont los. Schwab mit Alleingang auf Neuwieds Goalie Köllejan, mit dem glücklichen Ende für Neuwied. Ein temporeicher Start ließ nichts zu wünschen übrig.

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Das erste Tor gab es aber für die Bären. Ein blitzsauberer Spielzug mit Pass in die Mitte auf Stephan Fröhlich. Sein Präzisionsschuß lies Torwart Steve Themm Zero-Chance.
Eine unnötige Strafe für Deion Müller lies die Diezer im Powerplay auflaufen. Und was für eins. Köllejan mit einem Monstersave und mit einer Teamleistung übersteht man den Wirbelsturm um Konstantin Firsanov.
Das erste Powerplay der Heimmannschaft (Alexander Engel #8 musste Platz nehmen) begann etwas holprig. In der zweiten Hälfte der 2 Minuten konnte man sich aber in die Aufstellung bringen und Martin Brabec lief mit Wucht ins Zentrum ein und feuerte einen Handgelenkschuß ab bei dem selbst Leon Draisaitl feuchte Augen bekommen hätte.
2-0. Das war ganz und gar nicht der Plan der Rockets aus Diez Limburg. Und es sollte noch schlimmer kommen. Der US-Boy auf Seiten der Bären, Michael Jamieson nutze den Schockmoment der Diezer Hintermannschaft und netzte zum 3-0 (!) ein.
Die Nerven lagen jetzt blank. Bei fast jeder Unterbrechung gab es kleine Scharmützel und Trashtalk.
Nach dem dritten Gegentor hatte auch der Rockets Torwart Themm genug und überlies Constantin Schönfelder das Feld.
Mit einem nicht ganz unverdienten 3-0 ging es zum ersten Pausentee.
In den ersten vier Minuten des zweiten Drittels passierte nicht viel. Und das ist eigentlich die Sensation. Diez mit einem 4-Minuten Powerplay gesegnet kam nur sehr selten in die Aufstellung und das was die Rockets aufs Tor brachten, war für Köllejan kein Problem. Kaum war die Strafe abgelaufen gab es eine 2-1 Möglichkeit auf das Diezer Tor. Jamieson hatte praktisch und buchstäblich das leere Tor auf dem Schläger. Aber die leichten Tore sind die schwierigsten, oder!? Somit blieb es vorerst beim 3-0.
Die wütenden Angriffe der Diezer kamen aber jetzt im Sekundentakt. Die Bären ließen sich immer mehr in die Verteidigung drängen.
Und das hatte Folgen. Eine undurchsichtige Situation vor dem Neuwieder Tor nutzte André Bruch mit einem Backhander. 3-1. Die Rockets aus Diez-Limburg waren nun wieder im Spiel.
Zu erwähnen ist hier Rakete Phillip Maier (#7), der hier an fast allen Angriffen beteiligt war. Und Rockets Trainer Stephan Petry hatte in der Pause wohl die richtigen Reihen und Taktiken gefunden. Jamie Hill brachte seinen Farben auf ein Tor heran. 3-2!
Einen fahrenden Zug kann man nur schlecht aufhalten. Ein Blackout der gesamten Bären-Hintermannschaft ließ Jeff Smith alleine vor Köllejan auftauchen. 3 zu fucking 3!!! Ein Auswärtsblock eskaliert.
Für Bären Fans eine Katastrophe, Rockets Fans feierten sich selber und der neutrale Fan ist einfach nur froh heute hier zu sein um mal wieder einen schlechten Tatort zu verpassen.
Und wenn man sich über die schwachen Offensivbemühungen und die löchrige Abwehr der Gäste im ersten Drittel noch aufregen wollte; wie abgefahren geil muss sich Back-Up Schönfelder im Tor jetzt fühlen!? Bei 0-3 gehst du ins Tor und dein Team kommt auf ein 3-3 zurück. Puh.
Und so retten sich die Bären Neuwied in die zweite Pause. Was für ein Spektakel in den letzten 40 Spielminuten (und dazwischen). Zwei Drittel, zwei Sieger. Entscheidend ist aber das Schlußdrittel. Wie immer.
Natürlich hat auch Bärencoach Benske in der Pause seine Hausaufgaben gemacht und niemand wollte im Schlußdrittel sich die Blöße geben und ins offene Messer laufen. Kontrollierte Offensive hieß hier erst einmal die Marschrichtung.
Der Taktik geschuldet gab es jetzt nicht mehr das Offensivfeuerwerk wie in den vergangenen zwei Dritteln. Chancen gab es in den Überzahlmöglichkeiten. Die gab es ausschließlich für die Gäste. Aber auch in Unterzahl gefielen die Bären durch giftiges Forechecking. Mit Erfolg. Martin Brabec schnappte sich die Hartgummischeibe und machte sich auf und davon ins Angriffsdrittel. Brabec drehte nach seinem Schuß schon wieder Richtung Verteidigung ab, als die Scheibe doch noch durch die Ausrüstung von Schönfelder rutschte. 4-3 in Unterzahl! Das Icehouse stand Kopf.
Nur 3 Minuten später antworteten die Raketen. Jeff Smith mit dem viel umjubelten 4-4.
4 Minuten vor Ende traf es den Diezer André Bruch der auf die Bank musste. Und was gäbe es einen besseren Zeitpunkt für ein Tor als jetzt?! Das wird sich Frederic Hellmann auch gedacht haben als er von der blauen Linie locker den Puck Richtung Tor chipte. An Freund und Feind vorbei. 5-4. Wieder die Führung.

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Das musste man jetzt endlich mal ausnutzen. Martin Brabec mit Zauber-Deke zum 6-4!!!
Diez wurde hier förmlich überrannt. Vermutlich hat die Aufholjagd der Diezer im zweiten Drittel zu viel Kraft gekostet.
Der letzte Treffer galt dann doch den Gästen. Im Powerplay netzte Jeff Smith noch zum 6-5 ein.

Der Schlußpunkt spielte sich aber erst nach Abpfiff ab, als es noch die ein oder andere Meinungsverschiedenheit zwischen den Protagonisten gab. Im Auge des Hurricane war Bär Maxi Wasser, der keinen Deut darauf setzte, das sein Gegenüber zwei Köpfe größer war (#kaempferherz).

„Unsere Mannschaft war im ersten Drittel körperlich und geistig nicht da“, erklärte Gästetrainer Stephan Petry den deutlichen Zwischenstand. „Im zweiten Drittel haben wir das umsetzen können, was ich in der Kabine gesagt habe und dann auch mal die Tore gemacht. Im letzten Drittel war klar, dass Kleinigkeiten das Spiel entscheiden werden.“

Und so geht ein toller Eishockeyabend zu ende. 1.288 Menschen sahen ein schnelles, körperbetontes und rassiges Eishockeyspiel. Wenn das nicht Lust auf mehr macht!

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