Gloria Victoria sit ¬¬– der Kampf um die Vorherrschaft am Rhein

 

von Diana Jansen

Das viel beworbene und lang ersehnte Wintergame 2019 ist vorbei und die Schlacht am Rhenus geschlagen. Geboten wurde den 47.011 Zuschauern ein Spektakel mit vielen Höhen und Tiefen auf und neben dem Eis und dem Chaos, das bei Kölner Events dieser Art einfach dazugehört.

 

Wie auch im alten Rom beginnt ein Tag der Schwerter und Spiele mit der Anreise der Zuschauer. Die Anreise vom Kölner Hauptbahnhof zum Rheinenergiestadion stellte die erste Hürde für uns und viele andere dar. Wir waren ca. 12.55 am Neumarkt, wo uns schon eine MASSE an Fans im Gewühl einer Karnevalsveranstaltung erwartete. Gut, wir wollten nur kurz einen Blick auf das „Römerlager“ werfen, da wir aufgrund der Planung des Rahmenprogramms dafür nicht viel Zeit hatten. Also ließen wir die ersten Bahnen durchfahren, in die jeweils gefühlt nur 5 Leute einsteigen konnten. Sehr viele Fans waren zu diesem Zeitpunkt schon unglaublich genervt; jemand ließ verlauten, dass die KVB die Sonderzüge erst ab 14.30 bereitstellen würde. Nach 30 Minuten entschieden wir uns dann dazu, mit einer anderen Linie zu fahren, die nicht direkt vor dem Stadion hielt. Das war unser Glück, denn so konnten wir uns wenigstens das Legendenspiel ansehen.

 

Um 14.05 am Stadion angekommen haben wir uns dann direkt eingereiht, um ins Stadion zu kommen. Schon nach wenigen Minuten kamen die ersten Durchsagen, dass man alle Eingänge unabhängig der Lage seiner Plätze nutzen soll, damit es schneller geht.

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Hier unterlief der Security dann ein Fehler, der im Verlauf dazu führte, dass im Block der DEG Böller gezündet werden konnten. Zumindest ich habe damit nicht gerechnet. Wir wurden nur flüchtig abgetastet und es bestand kein Interesse, die Hand- und Kameratasche aufzumachen.

 

Schnell begaben wir uns auf unsere Plätze, von denen wir wirklich schlechteres erwartet haben. Die Sicht war absolut in Ordnung und wir haben sogar noch den Puck gut erkennen können. Die gesamte Eisfläche war –auch dank der durchsichtigen Banden– gut einsehbar. Außerdem gab es vier Bildschirme am Rand der Fläche und zwei in den Ecken unter dem Dach.

Während des Legendenspiels wurden nach und nach Facts über die Spieler durchgegeben, ansonsten lief alles ab wie bei einem normalen Spiel.

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Danach folgte für uns eine Pause von 1,5 Stunden, da wir das Stadion nicht verlassen durften, um uns das Programm auf den Vorwiesen anzusehen, da dann das Ticket die Gültigkeit verloren hätte. Allerdings wollten wir uns Brings auch nicht antun, also haben wir uns im Gewusel etwas zu essen besorgt und dann am Rand rumgestanden, bis es dann endlich Zeit war, das Derby zu sehen.

Hier muss ich sage Hut ab an die Organisatoren der Fan-Choreo. Es sah echt toll aus, wie das Banner vom Oberrang aus bis unten ausgerollt und ein Eishockey-Legionär, die Abkürzung CCAA und der Spruch „Mehr als 2000 Jahr Ehre und Ruhm für die Colonia – die Schlacht am Rhein wird immer unser Leben sein“ gezeigt wurden. Währenddessen stand ein Teil einer Cohorte am Zugang zum Eis Spalier. Das sah zwar toll aus, aber wirklich zu sehen war dies nur von der Westtribüne, da das Ganze auch nicht auf den Bildschirmen übertragen wurde.

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Die Schiedsrichter liefen mit dem vor wenigen Tagen veröffentlichten WWF-Panda-Trikot auf, in den beiden Pausen spielten die U11 beider Teams gegeneinander und es wurde Eisfußball gespielt. Leider fehlte in diesem Zeitraum allerdings die Uhr, die anzeigt wie lange noch Pause ist. Auch war es vom Timing her dumm, die Konfettikanonen kurz vor Drittelbeginn mit beiden Teams auf dem Eis abzufeuern, da es so zu Verzögerungen kam, in denen die Eismaschinen die Fläche vom Konfetti befreien mussten. Zuletzt folgte noch ein Abschlussfeuerwerk, welches wir uns nicht mehr angesehen haben. Dieses wurde erst nach Spielende angekündigt und war in den paar Minuten, die wir zur Haltestelle gelaufen sind, scheinbar schon gelaufen.

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Alles in allem war die Organisation schon besser als noch beim NHL Spiel im Oktober. Allerdings hätte es vieles erleichtert, wenn man die Sonderzüge bereits ab 12.45 oder 13 Uhr eingesetzt hätte. Auch war es mehr als ungünstig, die beiden Programme im und vor dem Stadion konkurrierend ablaufen zu lassen, denn so musste man als Fan, der beides sehen wollte, große Abstriche machen und auf vieles verzichten. So haben wir auch gar nicht mitbekommen, dass vor dem Spiel ja auch noch ein paralympisches Spiel stattgefunden hat. Es wurde viel geboten und war eine Erfahrung wert, jedoch ist die Organisation immer noch verbesserungswürdig. Positiv zu bewerten ist, dass zumindest zu Beginn –hier kann ich nur für unseren Zugang sprechen– Ordner bzw. Security Präsenz zeigten und die Tickets kontrollierten, sodass man vergleichsweise wenige Zuschauer hatte, die durch die Ränge irrten oder durch 6 Blocks liefen, um letztlich zu ihren Sitzplätzen zu kommen.

 

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Neuwied vs. Diez-Limburg / Oldschool Hockey!

von Frank Göbel

Es gibt Eishockeyspiele, da freut man sich, dass man sonntags aufsteht und voller Vorfreude ist. Frisch abgezogenes Eis, Wunderkerzen, tolle Stimmung mit tollen Fans, der Geruch von Pommes und kaltem frischem Bier. Ja, das sind die Grundlagen für einen tollen Eishockeyabend!
Und dann gibt es Derbies. Diese lokalen Partien beinhalten meist im Vorfeld schon jede Menge Gesprächsstoff. Das ist bei Köln gegen Düsseldorf oder München gegen Augsburg auch so. Und dann gibt es da Neuwied gegen Diez-Limburg. Schon rein sportlich ist das eine spannende Partie. Neuwied (Platz 3) empfängt mit Diez Limburg (Platz 4) ein Team, das in den letzten Tagen für Aufsehen sorgte. Nicht nur die Top Verpflichtung von Jeff Smith als Kontingentspieler ging da durch die Mediendecke. Das Husarenstück den Über-Tabellenführer Eisbären Hamm auswärts zu schlagen war wohl die Sensation. Auch wenn man in Relation halten muss, dass die Eisbären stark dezimiert waren an diesem Abend.
Aber egal, die drei Punkte nimmt man gerne mit.
Für die Bären Neuwied ist es die erste Partie seit dem 21.12.2018 (8-4 gegen Soest). Die unfreiwillige Winterpause von 2 Wochen sollten daher streng der Akkuaufladung und Zeit für die Familie genutzt werden. Anweisung von Coach Benske. Der Trainer war aber selber unterwegs und hat sich Teams wie Hamm, Herford und den heutigen Gegner angeschaut. Training ersetzt kein Spiel, das weiß auch GM Carsten Billigmann „Solche Spiele wie heute sind immer etwas Besonderes. Hier geht es mehr als um drei Punkte!“

Solche Derbies beinhalten auch immer eine gewisse Sicherheits-Brisanz. In den letzten Jahren gab es im Eishockey leider immer wieder unschöne Szenen. Dies reflektiert selbstverständlich nicht die Werte des Eishockeys wieder, wie wir es lieben gelernt haben. Beide Vereine haben hier in Statements auch noch einmal klargestellt, dass es trotz sportlicher Rivalität es keinen Grund gibt, dass es auf den Rängen nicht harmonisch zugehen soll.
Natürlich wird es heute eine Polizeipräsenz geben. So blauäugig ist man in Neuwied dann doch nicht.

So, das Eis ist abgezogen, die Spieler stehen zum Bully bereit. Zeit, den Puck einzuwerfen!

Und es ging kampfbetont los. Schwab mit Alleingang auf Neuwieds Goalie Köllejan, mit dem glücklichen Ende für Neuwied. Ein temporeicher Start ließ nichts zu wünschen übrig.

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Das erste Tor gab es aber für die Bären. Ein blitzsauberer Spielzug mit Pass in die Mitte auf Stephan Fröhlich. Sein Präzisionsschuß lies Torwart Steve Themm Zero-Chance.
Eine unnötige Strafe für Deion Müller lies die Diezer im Powerplay auflaufen. Und was für eins. Köllejan mit einem Monstersave und mit einer Teamleistung übersteht man den Wirbelsturm um Konstantin Firsanov.
Das erste Powerplay der Heimmannschaft (Alexander Engel #8 musste Platz nehmen) begann etwas holprig. In der zweiten Hälfte der 2 Minuten konnte man sich aber in die Aufstellung bringen und Martin Brabec lief mit Wucht ins Zentrum ein und feuerte einen Handgelenkschuß ab bei dem selbst Leon Draisaitl feuchte Augen bekommen hätte.
2-0. Das war ganz und gar nicht der Plan der Rockets aus Diez Limburg. Und es sollte noch schlimmer kommen. Der US-Boy auf Seiten der Bären, Michael Jamieson nutze den Schockmoment der Diezer Hintermannschaft und netzte zum 3-0 (!) ein.
Die Nerven lagen jetzt blank. Bei fast jeder Unterbrechung gab es kleine Scharmützel und Trashtalk.
Nach dem dritten Gegentor hatte auch der Rockets Torwart Themm genug und überlies Constantin Schönfelder das Feld.
Mit einem nicht ganz unverdienten 3-0 ging es zum ersten Pausentee.
In den ersten vier Minuten des zweiten Drittels passierte nicht viel. Und das ist eigentlich die Sensation. Diez mit einem 4-Minuten Powerplay gesegnet kam nur sehr selten in die Aufstellung und das was die Rockets aufs Tor brachten, war für Köllejan kein Problem. Kaum war die Strafe abgelaufen gab es eine 2-1 Möglichkeit auf das Diezer Tor. Jamieson hatte praktisch und buchstäblich das leere Tor auf dem Schläger. Aber die leichten Tore sind die schwierigsten, oder!? Somit blieb es vorerst beim 3-0.
Die wütenden Angriffe der Diezer kamen aber jetzt im Sekundentakt. Die Bären ließen sich immer mehr in die Verteidigung drängen.
Und das hatte Folgen. Eine undurchsichtige Situation vor dem Neuwieder Tor nutzte André Bruch mit einem Backhander. 3-1. Die Rockets aus Diez-Limburg waren nun wieder im Spiel.
Zu erwähnen ist hier Rakete Phillip Maier (#7), der hier an fast allen Angriffen beteiligt war. Und Rockets Trainer Stephan Petry hatte in der Pause wohl die richtigen Reihen und Taktiken gefunden. Jamie Hill brachte seinen Farben auf ein Tor heran. 3-2!
Einen fahrenden Zug kann man nur schlecht aufhalten. Ein Blackout der gesamten Bären-Hintermannschaft ließ Jeff Smith alleine vor Köllejan auftauchen. 3 zu fucking 3!!! Ein Auswärtsblock eskaliert.
Für Bären Fans eine Katastrophe, Rockets Fans feierten sich selber und der neutrale Fan ist einfach nur froh heute hier zu sein um mal wieder einen schlechten Tatort zu verpassen.
Und wenn man sich über die schwachen Offensivbemühungen und die löchrige Abwehr der Gäste im ersten Drittel noch aufregen wollte; wie abgefahren geil muss sich Back-Up Schönfelder im Tor jetzt fühlen!? Bei 0-3 gehst du ins Tor und dein Team kommt auf ein 3-3 zurück. Puh.
Und so retten sich die Bären Neuwied in die zweite Pause. Was für ein Spektakel in den letzten 40 Spielminuten (und dazwischen). Zwei Drittel, zwei Sieger. Entscheidend ist aber das Schlußdrittel. Wie immer.
Natürlich hat auch Bärencoach Benske in der Pause seine Hausaufgaben gemacht und niemand wollte im Schlußdrittel sich die Blöße geben und ins offene Messer laufen. Kontrollierte Offensive hieß hier erst einmal die Marschrichtung.
Der Taktik geschuldet gab es jetzt nicht mehr das Offensivfeuerwerk wie in den vergangenen zwei Dritteln. Chancen gab es in den Überzahlmöglichkeiten. Die gab es ausschließlich für die Gäste. Aber auch in Unterzahl gefielen die Bären durch giftiges Forechecking. Mit Erfolg. Martin Brabec schnappte sich die Hartgummischeibe und machte sich auf und davon ins Angriffsdrittel. Brabec drehte nach seinem Schuß schon wieder Richtung Verteidigung ab, als die Scheibe doch noch durch die Ausrüstung von Schönfelder rutschte. 4-3 in Unterzahl! Das Icehouse stand Kopf.
Nur 3 Minuten später antworteten die Raketen. Jeff Smith mit dem viel umjubelten 4-4.
4 Minuten vor Ende traf es den Diezer André Bruch der auf die Bank musste. Und was gäbe es einen besseren Zeitpunkt für ein Tor als jetzt?! Das wird sich Frederic Hellmann auch gedacht haben als er von der blauen Linie locker den Puck Richtung Tor chipte. An Freund und Feind vorbei. 5-4. Wieder die Führung.

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Das musste man jetzt endlich mal ausnutzen. Martin Brabec mit Zauber-Deke zum 6-4!!!
Diez wurde hier förmlich überrannt. Vermutlich hat die Aufholjagd der Diezer im zweiten Drittel zu viel Kraft gekostet.
Der letzte Treffer galt dann doch den Gästen. Im Powerplay netzte Jeff Smith noch zum 6-5 ein.

Der Schlußpunkt spielte sich aber erst nach Abpfiff ab, als es noch die ein oder andere Meinungsverschiedenheit zwischen den Protagonisten gab. Im Auge des Hurricane war Bär Maxi Wasser, der keinen Deut darauf setzte, das sein Gegenüber zwei Köpfe größer war (#kaempferherz).

„Unsere Mannschaft war im ersten Drittel körperlich und geistig nicht da“, erklärte Gästetrainer Stephan Petry den deutlichen Zwischenstand. „Im zweiten Drittel haben wir das umsetzen können, was ich in der Kabine gesagt habe und dann auch mal die Tore gemacht. Im letzten Drittel war klar, dass Kleinigkeiten das Spiel entscheiden werden.“

Und so geht ein toller Eishockeyabend zu ende. 1.288 Menschen sahen ein schnelles, körperbetontes und rassiges Eishockeyspiel. Wenn das nicht Lust auf mehr macht!

NHL Global Series – Ein Bericht aus Kölner Gefilden

von Diana Jansen

Am 3.10. gastierte die NHL zum Freundschaftsspiel in der Kölner Lanxess-Arena und brachte den 18.400 Fans einen Hauch NHL-Glamour aufs heimische Eis. Dabei lief allerdings nicht alles rund und das uns bestens bekannte Spiel wirkte wie aus einer anderen Welt.

Nur wenige Tage zuvor kündigten die Haie die „Fan Tour“ an. Neben einem digitalen Stanley Cup und einer Fotobox im Spielerbankdesign wurden ein mobiles Museum der Hockey Hall of Fame, eine Anlage zur Schussgeschwindigkeitsmessung und vieles mehr rund um die Arena versprochen. Vor Ort angekommen handelte es sich allerdings um 4 kleine Zelte auf der Südseite.
Für uns die sowieso für das Spiel da waren war es einfach nur eine Zeitverschwendung, für die nur deswegen angereisten vermutlich eine herbe Enttäuschung.

Gegen 14.00 Uhr gingen dann die Türen auf. Mit nur drei „Fanshops“ in unmittelbarer Nähe zueinander -und nur einer hatte wirklich alle Sonderartikel- artete dies bereits nach unter zehn Minuten in einer Einlasssperre aus. Mehrere Faktoren kamen hier zusammen:
1. Die ungünstig verteilten Fanshops am Eingang Nord inklusive fehlender Beschriftung/Information, wo man nun was kaufen konnte
2. Die Tatsache, dass die Türen in den Innenraum der Arena noch mehr als 20 Minuten nach Einlass geschlossen blieben.
3. Die schiere Masse an Menschen.
4. Mangelhafte Security-Leistung inklusive dem Einlass von Personen mit offiziell verbotenen Rucksäcken.
5. Die mangelhafte Organisation der Bereiche um die Fanshops.
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Innerhalb von Sekunden war der Bereich brechend voll und es gab kaum noch ein Durchkommen. Obwohl es nicht mehr weiter ging wurde man einfach rigoros von hinten weiter geschoben. Handtaschen wurden ohne Rücksicht auf Verluste mitgerissen, wenn man sie nicht fest umklammerte. Menschen drückten sich durch jede Lücke, um bloß an allen anderen vorbei als erstes vorne zu sein, um sich dann doch nur eine Mütze zeigen zu lassen und sie nicht zu kaufen. Dass -vom worst case ausgehend- keine Panik ausgebrochen ist oder ein Kind umgelaufen/von seinen Eltern getrennt wurde war das einzig Positive. Meine Begleitung und ich hatten uns wohlweißlich getrennt um Fanartikel zu kaufen, und nach mehr als 30 Minuten im Fanshopgetümmel fanden wir erst wieder zusammen. Irgendwann hat die Security auch mitbekommen, dass da einiges schiefläuft und eine „Einbahnstraße“ eingerichtet, an die sich aber natürlich keiner gehalten hat. Der Durchgangsverkehr wurde über den Innenraum gelotst, der Fanshop sollte nur noch von einer Seite „betreten“ und auf der anderen Seite verlassen werden. Letzteres war scheinbar für die Anwesenden zu viel, und so drängte man sich einfach weiterhin da durch, wo man eben grade langwollte.
Selbst nach der ähnlich frequentierten WM 2017 war das ein Erlebnis anderer Art. Es wäre meiner Meinung nach sehr viel sinnvoller gewesen, die Fanartikel auf weitere Stände innerhalb der Arena zu verteilen (ähnlich der Stände an normalen Spieltagen) und weiter aufzuteilen, um so die Massen einfach mehr zu entzerren. Einige, mit denen ich gesprochen habe, haben die Situation ähnlich empfunden und entweder aufgegeben, bevor sie etwas kaufen konnten, oder waren heilfroh, wieder aus der Masse raus zu sein, nachdem sie alles hatten.

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Qualitativ und auch preislich sind die Artikel in Ordnung. Sonderschal 20, Sweatshirt von guter Qualität 55 und ein T-Shirt 25 Euro. Außerdem im Sortiment waren Pucks (10 Euro), zwei verschiedene Trikots ohne Namen/Nummer (authentic 170, sonst 110 Euro), T-Shirts von Dreisaitl und McDavid (ca 30 Euro), Schlüsselbänder/Lanyards (10 Euro), Mützen (25 Euro), Minischläger und noch mal Kinder- und Damenvarianten der T-Shirts. Für jeden war eigentlich etwas dabei und man konnte über die Auswahl wirklich nciht meckern.

Nun aber zum Rest der Gaudi:
Man merkte, dass die NHL nicht nur zu Gast war, sondern fast schon das Sagen hatte. Jeder zweite Spot auf dem Videowürfel war entweder ein Werbevideo

IMG_4675_Fotorder Oilers oder der NHL. Vier mal pro Drittel gab es eine Werbeunterbrechung. Positiiv fand ich den Einsatz zweier deutscher und zweier NHL Schiedsrichter. Außerdem war es einfach zu niedlich, wie die Bambinis auf dem Eis Spalier stehen und die Spieler abklatschen durften. Das Vorgeplänkel -Puckdrop, Trikottausch, Nationalhymne und alles, was dazu gehört- war für meinen Geschmack etwas in die Länge gezogen.

Das Spiel selber war schon ein anderes Kaliber als ein DEL Spiel. Man sah, dass die Oilers gewohnt sind, dass die Schiedsrichter mehr durchgehen lassen. McDavid war irre schnell und ab und an haben sie den Haien gezeigt, wie schnell sie wieder in Führung gehen können. Natürlich haben sie nicht mit 100% Leistung gespielt, dann hätte das Ergebnis deutlich anders ausgesehen. Aber es reichte für schönes Eishockey auf beiden Seiten. Abgesehen von einer kurzen Prügelei verlief es auch recht friedlich und fair.
Mangels Erfahrung in Sachen NHL kann ich die Spielweise der Oilers nicht weiter bewerten, aber bei den Haien war durchaus ein anderes Bild im Vergleich zur Saison zu sehen. Wie so oft war das erste Drittel eher mau, auch wenn gute Chancen dabei waren und sich das Spiel halbwegs ausgewogen in allen Dritteln abspielte. Im zweiten Drittel kam dann der Biss, der so oft in der Saison fehlt. Es wird nachgegangen, der Puck weniger einfach schnell draufgeballert. Ab und an war auch tatsächlich nicht das übliche tausendfache hin- und herpassen im Stehen vor dem gegnerischen Tor zu sehen sondern überlegtere, einfachere Angriffe, die am Ende der regulären Spielzeit zu einem durchaus ansehbaren 3:3 führten. Auch in Overtime war das Spiel nicht schlecht; allerdings machten die Oilers irgendwann einfach kurzen Prozess.

 

Als Gesamtbild betrachtet ist es deutlich, dass in der Organisation abseits vom Eis noch einiges ausgebessert werden muss. Natürlich kann man hierzulande kaum bis gar nicht mit einem NHL-Team mithalten, aber verstecken muss man sich zumindest im Rahmen eines Freundschaftsspieles nicht, solange man nicht vergisst, dass die andere Mannschaft nicht mit voller Leistung spielt und das Endergebnis deshalb nicht unbedingt repräsentabel ist. Spieltechnisch sollte man an diesen Tag anknüpfen und das eigene Spiel weiter ausbauen, um die Saison nicht völlig in den Sand zu setzen.

Sollte irgendwann im Rahmen der Global Series ein NHL-Team in Deutschland gastieren, würde ich noch mal hingehen. Neben allem Negativen bleibt eben doch noch der Spaßfaktor, und der war bei diesem Spiel -aus meiner Sicht- definitiv gegeben.

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Dump and Chase / Die Rettung des Prints?!

von Frank Göbel

 

Fast jeden Morgen am Bahnhof das gleiche. Man steht vor dem Kiosk um noch ein Kaffee für 2,99€ oder ein Puddingteilchen vom Vortag für nur 3,99€ zu kaufen. Unweigerlich fällt der Blick auf die Zeitschriften. Und uns Eishockeyfans blutet dann das Herz, das es 7 verschiedene Angelzeitschriften, 3 Modelleisenbahn-Magazine und 2 Surfhefte gibt.

Und Eishockey?! Lediglich die „Eishockey News“ sticht mit ihrer wöchentlichen Berichterstattung heraus. Aber da hakt es auch schon. Es geht im Großteil „nur“ um Spiele des vergangenen Wochenendes. Oft sind es Meldungen, die wir um sozialen-medialen Zeitalter eh schon gesehen, gelesen und weggescrollt haben. Selbst Zusammenfassungen der Rostocker Piranhas kriegt man über Youtube, oft noch am selben Abend.

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Wir als „Bully“ versuchen immer, investigativen Amateur-Journalismus an den Tag zu boxen. Das ist reines Hobby, das man sich Sonntag um 21:00 in die Eishalle setzt und ein Beer-League Spiel kuckt um davon zu berichten. Fernab von Glitter und Glam.

Was braucht Eishockey-Deutschland also?

„Ein Printmagazin…?!“

Sehr gut.

„Aber physische Ausgaben sterben doch aus und es kauft auch niemand!“

Jein. Das ist die allgemeine Haltung gegenüber Printmedien. Das Papier gewinnt seit einiger Zeit aber wieder an Gewicht (Nicht nur, wenn es nass wird). Informationen am Bildschirm werden schnell überflogen und weggedrückt. Und damit vergessen. Halte ich jedoch ein Magazin in der Hand, beschäftige ich mich schon damit.

Ich bin beim digitalen Blätterwald-Rundgang über DNC-Hockey gestolpert. „Dump and Chase – Hockey“ sind 3 Jungs aus Frankfurt und möchten Eishockey am Kiosk wieder etablieren. Bewusst werden hier keine Spielberichte erscheinen. Es geht um tiefgründige Reportagen. Z.B. Wie läuft das Eishockey in Mexico ab? Wie schaffen es Eishockey-Eltern alles zu organisieren?

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Sprich, Themen, die man so nicht vermutet, aber einen dennoch interessieren würden.

Das Magazin soll im alle 2 Monate herausgebracht werden. Präsentationen bei der DEL und Verbindungen zu einigen Printhäusern sind erbracht. „Die DEL findet das Projekt sehr spannend!“, gibt Stefan zu Protokoll. Anzeichen, dass man hier einen Fuß in die Tür bekommen kann.

Logisch, dass man so ein Projekt nicht aus der eigenen Hosentasche heraus finanzieren kann. Hierzu gibt es eine Crowd-Funding-Aktion (ganz digital). Ein sehr erfolgreiches Mittel um Cash-Flow für ein Projekt zu generieren. Jeder der will, kann „spenden“. Oder es auch sein lassen. Wer also bald ein Starkes und spannendes Eishockeymagazin am Kiosk sehen möchte, sollte sich hier beteiligen!

Immer noch besser als laschen Kaffee oder labberige Puddingteilchen zu kaufen.

 

Zur Crowdfunding-Aktion:

https://www.startnext.com/dump-and-chase

 

Zur Homepage:

http://www.dump-and-chase.com/das-magazin/2

Henrik Lundqvist: Der Weltklasse-Torhüter und seine verzwickte Situation bei den Rangers

von Timo Helfrich

 

Henrik Lundqvist ist schon ein ganz besonderer Spieler, der seines Gleichen sucht. Ich glaube es ist nicht wirklich vielen bekannt, dass der Schwede im Jahr 2000 erst in der siebten Runde an 205. Stelle gedraftet wurde.

Spieler, die soweit hinten im Draft gezogen werden, schaffen es in der Regel nicht oft mit Ihren überragenden Leistungen in die Geschichtsbücher. Auch sind diese meist keine Franchisespieler und führen schon gar nicht ihr Nationalteam im Alter von 23 Jahren zum Olympiasieg (2004 in Turin) und dreizehn Jahre später zum Weltmeistertitel (2017). Die Erinnerungen an das WM-Finale 2017 gegen Kanada dürften für viele noch sehr präsent sein. Mit spektakulären Paraden lies Lundqvist die Kanadier Verzweifeln und führte Schweden zu einem 2:1 nach Penaltyschießen. Hinzukommen noch zwei schwedische Meistertitel (2003 & 2005), 2x Vizeweltmeister (2003 & 2004) und 1 x die Silbermedaille bei Olympia in Sotschi 2014. Ach ja, 2012 erhielt er nebenbei noch die Vezina Trophy zum besten Torhüter der NHL-Saison verliehen.

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Ja, jeder der diese Zahlen liest würde nicht vermuten, dass es sich dabei um einen Torhüter handelt, dem 204 Spieler im Draft vorgezogen wurden.

Lundqvist geht in der Spielzeit 18/19 bereits in seine 14. Saison für die Rangers. Solche
Treue und Loyalität ist in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich.

In diesen 13 Spielzeiten konnte der Schwede mindestens 30 Siege pro Saison einfahren, mit zwei Ausnahmen. In der Lockout-Saison 12/13 waren es nur 24 Siege und in der vergangenen Saison verbuchte er nur deren 26 Erfolgserlebnisse.

Nachdem Lundqvist 2005 den Job als Startergoalie am Big Apple übernahm,
endete die sieben Jahre lang anhaltende Durststrecke der Blueshirts ohne Playoffs. Er führte das Team Jahr ein Jahr aus, mit zwei Ausnahmen in der Saison 09/10 und die verkorkste vergangene Saison 17/18, in die Postseason.
Die Rangers gehörten in diesem Zeitraum häufig zu den Anwärtern auf den Stanleycupsieg und verpassten diesen in der Spielzeit 2013-14 erst im Finale gegen die LA Kings.

Die aktuelle Situation Lundqvist’s ist leider nicht mehr so aussichtsreich. Er besitzt noch einen Vertrag über drei Jahre bis zum Ende der Saison 2020-21. Mit jährlich $ 8,5 Mio. liegt er auf Rang 2 der teuersten Torhüter hinter Carey Price ($ 10,5 Mio.).
Da sich das Team der Rangers jedoch bekanntermaßen seit letzter Saison im Umbruch befindet und Leistungsträger wie Derek Stepan, J.T. Miller, Rick Nash und Ryan McDonagh getradet hat, fragt man sich welche Rolle denn eigentlich der schwedische Ausnahmekönner in der Franchise spielen soll. Er belastet den Salary Cap mit seinem hohen Jahressalär erheblich. Die Chance mit seinen 36 Jahren nochmal ernsthaft um den Stanleycup zu spielen, ist vorerst in weite Ferne gerückt. Spätestens nach dem Weggang von Kapitän McDonagh zu Tampa Bay fragt man sich wie New York mit der aktuell verfügbaren Abwehr konkurrenzfähig sein will. Schon in der vergangenen Saison war der Abwärtstrend klar zu erkennen und Lundqvist wurde in vielen Situationen von seinen Vorderleuten im Stich gelassen. Mit 268 Gegentoren kassierten nur 3 Teams mehr Tore als die Rangers.
Nachdem Lundqvist‘s Backup Antti Raanta zu den Arizona Coyotes abwanderte, suchen die Rangers nach einem adäquaten Ersatz. Ein Kandidat dafür wäre der Bulgare Alexander Georgiev, welcher noch einen Entry-Level-Kontrakt im letzten Jahr besitzt und sich dementsprechend für eine neues Arbeitspapier beweisen muss. Der 22-jährige hatte bereits in der letzten Saison einige Einsätze erhalten und wusste durchaus zu überzeugen.
Die 1A-Lösung des Jobs als Backup lässt noch eine weitere Saison auf sich warten. Hierbei handelt es sich um den Russen Igor Shestyorkin, der noch ein weiters Jahr an St. Petersburg in der KHL gebunden ist. Er gilt als einer der talentiertesten Torhüter außerhalb Nordamerikas. Jedoch müsste auch er erstmal Zeit bekommen um sich in der Liga zurechtzufinden und behutsam auf die kommenden Aufgaben vorbereitet werden. Somit ist Shestyorkin durchaus zuzutrauen, dass er das Potential besitzt Lundqvist zukünftig zu beerben.

Ich möchte hier auch nochmal erwähnen, wie extrem wichtig es ist einen guten Backup im Team zu haben. Insbesondere für Lundqvist ist es unerlässlich die nötigen Erholungspausen zu bekommen. Mit 36 Jahren werden diese Erholungsphasen noch wichtiger, damit er weitestgehend von Verletzungen verschont bleibt und bei jedem Einsatz seine volle Leistung bringen kann. Ein guter Backup würde den Druck, Lundqvist zu viele Einsätze zuzumuten, erheblich reduzieren. Jede Entlastung bedeutet mehr Regeneration und erhöht somit die Leistungsfähigkeit.

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Einerseits ist Lundqvist als erfahrener Ausnahmetorhüter der beste Mentor für junge Spieler und deren Entwicklung. Andererseits hat er sicher insgeheim auch den Wunsch nochmal im Konzert der ganz großen mitzuspielen.
Zuzutrauen ist es dem Spieler mit der Rückennummer 30, dass er auch noch im Alter von 39 Jahren die Klasse besitzt und mit dem bis dahin hoffentlich wieder wettbewerbsfähigen Kader der Rangers nochmal den Run auf den Stanleycup in Angriff zu nehmen. Sollte der eingeschlagene Weg in New York des kompromisslosen Umbruchs planmäßig verlaufen, könnte eine baldige Playoffteilnahme durchaus wieder im Bereich des Möglichen sein. Wie wir wissen, erstmal in den Playoffs angekommen, ist im Eishockey alles möglich. Insbesondere dann, wenn man einen Ausnahmekönner im Tor stehen hat, der in der Endrunde bereits mehrmals über sich hinausgewachsen ist.
Sollte der Plan des Umbruchs allerdings nicht aufgehen, wären die drei verbleibenden Jahre seines Vertrags in New York verlorene Zeit.
Lundqvist muss sich gut überlegen, ob er einen Wechsel zu einem potentiellen Anwärter auf den Stanleycup in naher Zukunft vorzieht oder den riskanten Weg des Umbruchs bei den Rangers weiter begleitet. Interessenten gäbe es sicher genügend, die den Schweden gerne in ihren Reihen sehen würden. Aber wer kann sich die Rangers ohne Lundqvist vorstellen? Ich ehrlich gesagt nicht.

Einen Meilenstein wird der Schwede auf jeden Fall so oder so noch erreichen. Mit aktuell 431 Siegen rangiert Lundqvist auf dem 8. Platz der meisten Torhütersiege in der NHL. Da nur noch Roberto Luongo (471 Siege, aktuell 4. Platz) als einziger noch vor ihm platzierte aktive Torhüter ist, wird er in dieser Liste noch einige Plätze nach vorne rücken. Er wird bereits in der kommenden Saison u.a. die Legenden Terry Sawchuk (445 Siege) und Curtis Joseph (454 Siege) einholen. Auch der aktuell drittplatzierte Ed Belfour mit 484 Siegen sollte definitiv machbar sein. Somit wäre eine Platzierung auf dem 3. oder 4. Platz das Resultat am Ende seiner glanzvollen Karriere. Nur Martin Brodeur (691 Siege) und Patrick Roy (551 Siege) sind aller Voraussicht nach für ihn uneinholbar.
Hier möchte ich noch eine sehr bemerkenswerte Leistung des Schweden anbringen. Lundqvist ist als einziger Nicht-Kanadier unter den ersten 13 Plätzen in dieser Kategorie vertreten.

Ich glaube bei seiner Vita würde ihm jeder Eishockeyfan die Daumen drücken, damit er im Herbst seiner Karriere noch einmal die Chance erhält um diesen einen noch fehlenden Titel des Stanleycups zu fighten.

Timo Helfrich

Seit meiner Geburt (1983) lebe ich vor den Toren der Eishockeymetropole Mannheim.
Eishockey verfolge ich begeistert seit meinem neunten Lebensjahr und spielte seitdem selbst aktiv beim MERC im Nachwuchsbereich bis hin zu den Amateuren. Nach vielen Jahren in der Hobbyliga hing ich vor kurzem meine Schlittschuhe an den Nagel.

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Die Geschicke der Adler Mannheim verfolge ich nun seit mehr als zwei Jahrzehnten und erlebte im Friedrichspark und danach in der SAP-Arena alle Höhen und Tiefen.

Hauptsächlich interessiere ich mich jedoch für das Geschehen in der NHL.
Meine besondere Leidenschaft für die beste Liga der Welt entwickelte sich bereits in meiner Anfangszeit als die Pittsburgh Penguins mit Mario Lemieux und Jaromir Jagr (ja der spielte schon damals…) zweimal hintereinander Stanleycup-Sieger wurden. Es war die Zeit von Wayne Gretzky bei den LA Kings, Patrick Roy in Montreal und Mark Messier, Brian Leach und Mike Richter im Dienste der New York Rangers. Ich könnte hier noch viele weitere Spieler aufzählen. Aber auch die damals neue Franchise der Anaheim Mighty Ducks mit ihren beiden Stars Paul Kariya und Teemu Selanne zog mich in ihren Bann. Ja es gibt viele Gründe, die mich an der besten Liga der Welt faszinieren. Dem Thema Fazination NHL könnte ich einen eigenen Artikel widmen und würde wohl trotzdem nicht alles aufzählen können.

Mit dem Schreiben über Eishockey sammelte ich erstmals Erfahrung als ich die Spielberichterstattung meiner damaligen Hobbymannschaft übernahm. Das positive Feedback meiner Mitspieler bestärkte mich zusätzlich in meiner Entscheidung vor zwei Jahren einen eigenen Blog über die NHL ins Leben zu rufen.
Hierdurch entstand auch vor kurzem der Kontakt mit unserem Chefredakteur Frank Göbel. Ich musste nicht lange überlegen und schloss mich direkt dem Team von Bully – Der Eishockeyblog an.
Als berufstätiger Familienvater bleiben mir meist nur die späten Abendstunden um meine Artikel auszuarbeiten.
Ich freue mich meine Leidenschaft zu diesem Sport über den Blog Bully mit Euch teilen zu dürfen.

Abenteuer Hockey im Ausland / Part III

 

von Diana Jansen

 

Nach knapp vier Monaten und einigen Ups and downs endete mein „Abenteuer Hockey in Italien“ mehr als unerwartet mit einer Nachricht meiner Mitstreiterin, ob ich abends kommen würde, da es das letzte Training der Saison sei.

Fast schon geschockt und vor allem traurig, dass ich nicht teilnehmen konnte muss ich jetzt bis Anfang September ohne Hockey überleben. Was bleibt mir nun also noch anderes übrig, als ein Fazit der letzten Monate zu verfassen?

 

Nachdem ich anfangs trotz der vielen Ähnlichkeiten große Probleme hatte, mitzukommen, wurde es mit jeder Woche leichter. Natürlich bin ich immer noch Verteidiger durch und durch, aber ich verstehe den Sturm nun etwas besser. Bis auf wenige Ausnahmen wurde ich von meinen Mitspielern in den Sturm gestellt. Mit lieb gemeinten Erklärungen in Englisch und Italienisch versuchten sie auch immer wieder, mir zu erklären, wo ich zu stehen hatte. Ich verstand die Worte und auch, was ich tun sollte, doch konnte ich auf dem Feld kaum etwas damit anfangen. Es erschloss sich mir einfach nicht, und mein „Stolz“ verbot mir, einfach aufzugeben. Ich biss mich durch und passte mich den auf dem Feld präsenten Spielern an, anstatt mich an Theorien zu halten –und siehe da, es hat funktioniert! 

Da wir immer nur mit maximal 16 (und das nur ein einziges Mal) Personen trainiert haben, war es ein leichtes herauszufinden, wie die anderen spielen. So konnte ich entweder:

– einfach mitlaufen und hoffen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein oder halbwegs gute Pässe geben zu können oder

– mich in die Verteidigung zurückfallen lassen, während die anderen zum Tor liefen.

Natürlich funktionierte dieser Plan nicht immer und ab und zu stand ich auch mehr im Weg als hilfreich zu sein. Allerdings legte sich das schnell (ausgenommen Trainingseinheiten, bei denen wir 4 auf 4 ohne Wechselspieler 10-15 Minuten durchgespielt haben) und ich konnte ebenfalls ein besseres Verständnis des Positionsspiels verzeichnen. Tempomäßig konnte ich zuletzt sehr viel besser mithalten, jedoch gab es zwei oder drei Spieler, die mich immer wieder überliefen –oder in mich reinliefen. Man merkte eben, dass das Tempo der italienischen dritten Liga schon mit der ersten heimischen Liga vergleichbar war.

 

Nichtsdestotrotz wurde ich auch von (fast) allen ordentlich ins Trainings– und Spielgeschehen integriert. Regelmäßige Pässe (die ich leider nicht immer ideal aufs Tor bringen konnte), Lob und Freude als ich dann mal der einzige Glückspilz war, der den Pfosten so traf, dass es als Tor bzw. Punkt zählte, wenn kein Goalie da war. Die Bemühungen, mir die Modalitäten fürs Tor noch mal langsam und verständlich zu erklären –jede Woche gab es neue Ideen– und noch so viel mehr machten es mir einfacher, mich auch integriert zu fühlen. 

Ab und an sorgte ich natürlich für einen Lacher, wenn mal wieder eine meiner Rollen den Geist aufgegeben hatte oder ich mich über mein Unvermögen mit diesem vermaledeiten Puck aufregte. Zwei Rollen musste ich in den Frühruhestand schicken, da entweder ein rausgebrochenes Stück oder die neue eckige Form für ein komisches Gefühl beim Skaten sorgten! Und dann war da zuletzt noch die Rolle, die heimlich, still und leise gebrochen war. Ich dachte schon, ich wäre beim Rückwärtsfahren über eine Linie gestolpert, doch beim genaueren Hinsehen kam ein netter Riss zum Vorschein, der in bestimmten Positionen am Skate die Rolle zum eiern brachte.

Meine leider letzte Interaktion mit der Mannschaft war ein Abendessen des Vereins, bei dem dann auch Trainer und Vorsitz realisierten, dass sie mich an dem Abend wohl zum letzten Mal sehen würden. Auch wenn ich normalerweise (wie auch zu Hause) beim Training nicht viel gesprochen habe, merkte man schon, dass sie es auf ihre Weise schade fanden. Der Trainer lobte noch meine Passion für den Sport und dass ich mich durchgebissen hatte, und das war es dann auch schon. Das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Hockeys –egal ob Eis- Skater- oder Inlinehockey– ist etwas ganz Besonderes, und das konnte ich auch hier spüren.

 

Bereue ich meine Entscheidung, den ganzen Stress mit dem Ausrüstungstransport, Zugfahrten und zuletzt einer anderen Sportvariante auf mich zu nehmen? 

Ganz und gar nicht! Auch wenn ich –nicht zuletzt auch aufgrund des hohen Altersunterschiedes– eher keine Freundschaften fürs Leben geschlossen habe, war es eine positive Erfahrung. Etwas, an das ich mich gerne erinnere. Ich habe nicht nur etwas über Hockey in einem anderen Land, sondern auch über mich selbst gelernt. Außerdem war es so etwas einfacher, meine Mannschaft zu Hause nicht ganz so sehr zu vermissen. 

Werde ich diese Spielvariante vermissen? Ein klares nein! Natürlich ist es eigentlich der gleiche Sport, aber ich kann es schon kaum erwarten, vom Flieger in die Halle zu fahren und mit einem Ball zu trainieren!

Zuletzt bleibt mir nur noch eines zu sagen: Danke! Danke Paolo für die Hilfe bei der Organisation vor meiner Ankunft. Danke Laura für deine Hilfe während des Trainings und die Möglichkeit, ab und an dein Anhängsel zu sein. Danke Stefano, dass du mich nicht angeschrien hast, auch wenn ich die Übung nach fünf Versuchen immer noch nicht verstanden habe oder nicht sofort die richtige Position im Spiel gefunden habe. Danke Flying Donkeys Empoli, dass ich –wenn auch nur für kurze Zeit– ein Teil der Mannschaft sein durfte!